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Oldtimer Motoröle im Test

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  • Oldtimer Motoröle im Test

    https://www.autozeitung.de/oldtimer-...mer-86254.html
    Gruß vom (spiderlosen) Mafra
    https://mafra-spider.jimdo.com/

  • #2
    Hallo, und danke für den Tipp...

    ich hab bis jetzt mild legiertes Orlen Lubro 20W50 aus Polen gefahren...werde dann wohl auf Rowe unsteigen.

    Gruß Lars

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    • #3
      Als Motorenentwickler ärgere ich mich immer über solche Tests. Es steht zwar in diesem konkreten Artikel nichts Falsches drin, aber aus Unkenntnis der technischen Zusammenhänge (und wohl auch aus Vorsicht) schreiben Journalisten nie im Klartext, welches Öl denn nun für welchen Motor ideal ist.

      sogar die von mir hochgeschätzte Oldtimer Markt / Oldtimer Praxis schreibt in einem eigenen Sonderheft um den heissen Brei herum, Philosophen und Mathematiker nennen das Kategorienfehler.

      Z.b. warnen die meisten Journalisten vor vollsynthetischen Motorölen für Oldtimer, weil diese “zu dünn seien, alte Verschmutzungen auflösen und Dichtungen zerstören” - das ist kurz gefasst grober Unfug.

      - zu dünn ist ein Öl, wenn die falsche Viskositätsklasse gewählt wurde oder weil das Öl aus technischen Gründen gealtert ist
      - das “Auflösen alter Verschmutzungen” wird von den beigemengten Detergents bewirkt, und die finden sich auch in den meisten mineralischen bzw. Oldtimer-Ölen
      - Jede heisse Flüssigkeit spült über Diffusion die Weichmacher aus Wellendichtringen. Manche guten Motoröle beinhalten Pflegestoffe bzw. Weichmacher, die diesen Effekt aufhalten oder sogar teilweise rückgängig machen. (Dibutylmaleinat)

      Ärgerlich ist die aktuelle 20W 50-Modewelle. Das ist offensichtlich der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Stammtischphilosophen und Journalisten. 20W 50 ist eine super Gelegenheit für Ölhersteller, ein billiges mineralisches Öl weit überteuert zu verkaufen.
      Das spezielle Problem: um ein mineralisches Grundöl auf eine 50er Viskositätsklasse zu bringen, muss extrem viel VI-Verbesserer zugemischt werden, bis zu 30%. (VI = Viskositätsindex)
      Diese VI-Verbesserer sind sehr langkettige Kohlenwasserstoff-Moleküle, die im Motor mehr oder weniger schnell zerschlagen und zermahlen werden, vor allem von Ketten- und Rädertrieben im Motor. Dann fährt man mit 20W 30 herum, was für alte Motoren wirklich zu dünn ist.

      Es gibt drei klassische Fehlmeinungen:

      1. “Das billigste Baumarkt-Öl tut’s auch” - eben nicht, die Qualitätsunterschiede bei Ölen gleicher Spezifikation sind gross

      2. “Ich nehme das modernste und teuerste Öl, weil ich meinem Motor das Beste geben will” - wer dann topaktuelles 0W 30 einfüllt, hat nicht nur eine zu geringe Heissviskosität. Moderne Öle haben auch einen stark reduzierten Anteil am Verschleißschutzadditiv Zink-Dialkyl-Dithiophosphat, den ZDDP zerstört moderne Katalysatoren. Bei modernen Motoren kein Problem, dort gibt es weder die hohen Flächenpressungen noch direkten Reibkontakt zwischen Tassenstößel und Nockenwellen wie z.B. In unseren Lampredi-Motoren.

      3. “Um Gottes Willen kein vollsynthetisches Öl in alte Motoren, nur 20W 50” - klassischer Kategorienfehler. Ein vollsynthetisches Grundöl ist einem mineralischen in allen Belangen überlegen. Negative Einflüsse stammen aus der oben erwähnten falschen Viskositätsklasse oder aus falscher Additivierung.

      Praxisbeispiel: Castrol 10W 60 ist ein tolles Öl für moderne Höchstleistungsmotoren, hat aber zuwenig ZDDP und pflegende Weichmacher für Oldtimer.

      Für meinen Jaguar XJ von 1971 (mit extrem hohen mittleren Kolbengeschwindigkeiten - 20m/s! ) verwende ich Mobil 1 10W 60, einerseits wegen des idealen ZDDP-Anteils, andererseits wegen der enthaltenen Weichmacher für die Dichtungen. Somit fahre ich den einzigen alten Jaguar, der nicht tropft, und auch bei einem Duell mit vier Ferrari Dinos auf Landstraßen im Mühlviertel ist der Ölfilm nicht abgerissen. Nebenbei hat Mobil 1 auch den besten HTHS-Wert, das hilft auch gegen “Zwickelverschleiss” am oberen Totpunkt. (High Temperature High Shear)
      Dieses Öl würde aber in einem modernen Ferrari oder Lamborghini die Katalysatoren vergiften.

      Was bedeutet das für unsere Lampredis: das sind hochmoderne, blitzsauber und robust konstruierte Motoren, allenfalls wird das Öl etwas heiss. Guy Croft empfiehlt deshalb vollsynthetisches Premiumöl mit hoher Warmviskosität.

      Nach intensiven Diskussionen mit oldtimeraffinen Arbeitskollegen aus Versuch und Konstruktion verwende ich in meinem Spider Mobil 1 5W 50. Mein Spider ist kein Racer, aber wir fahren sehr gerne an einem schönen Sommerabend schnell mal auf ein Eis, da stellt das “5W” sofortigen Schmierfilm beim Kaltstart sicher.

      Für stärker getunte Motoren empfehle ich Mobil 1 10W 60 (kein Castrol oder ähnliches Supercar-Öl)

      Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nix gegen Castrol - in Hinterachsen fahre ich nur Castrol, es gibt keine besseren Hypoidöle. Aber das ist ein anders Thema.



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      • #4
        Hallo

        das klingt ja sehr fundiert...Ich als KFZ Mechaniker habe auch den meisten Meldungen und Tests geglaubt und dachte mit niedriglegiertem Mineralöl alles richtig zu machen...Was würdest du mir empfehlen in meinen nur 90 Ps Spider, der auch nur bei sommerlichen Temperaturen fährt? ...gibts das besagte Mobil Öl als 20w 50oder 60 oder sollte ich trotzdem auf eine andere Winterviskosität gehen...5W oder 10W? Wenn es richtig heiß war und ich den Motor auch gefordert hatte, war der Öldruck im Leerlauf schon sehr niedrig. Außerdem ist mein Motor auch eher schon einer der bischen "schwitzt". Da wäre doch die 60er Viskosität schon besser?
        Und überhaupt...Gratulation zum Jaguar👌

        Gruß Lars

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        • #5
          Hallo Lars, wenn er schon ein bisschen schwitzt empfehle ich Dir:

          1. Etwa 1000 km vor dem nächsten Ölwechsel Dibutylmaleinat von einem seriösen Additiv-Anbieter reinkippen. Z.B. Liqui Moly Ölverlust Stop. Oder für Fans von Donald Trump Wynn’s

          2. 1000 km fahren, wenn möglich längere Strecken ( damit das Öl schön warm wird und der Weichmacher eindiffundieren kann - nach den Fick’schen Gesetzen)

          3. Ölwechsel mit Mobil 1 10 w 60

          dann das Neue Öl beobachten. Wenn es nach 2000 km schon schwarz ist, würde ich nochmals wechseln.
          Zuletzt geändert von Ribolla; 21.03.2020, 11:24.

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          • #6
            Danke, dass ist doch mal ne Aussage mit der man was anfangen kann...freut mich. Immer wieder gut, dass wir alle diese Foren beleben👍

            Gruß aus dem Erzgebirge...Sachsen

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            • #7
              Ribolla

              welches Öl bzw. welche Spezifikation empfiehlst du für einen Fiat Dino (in meinen fall ein 2liter)

              Lg Bernhard

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              • #8
                Hallo Bernhard, die Schwachstelle beim Dino ist ja die unzureichende Schmierung der Nockenwellen beim Kaltstart. Hast Du schon die kleinen Löcher drin?
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                • #9
                  Trotz 115tausend Kilometer ist mein Dino bis auf modifizierte Kettenspanner (Konterschrauben wie der Stratos Motor) absolut original.

                  Verschlissene Nockenwellen habe ich bei Dino´s eigentlich noch nie gesehen (habe einige Motore offen gehabt) deshalb mache ich mir da keine Sorgen, da gibt es großere Baustellen wie die Natriumgekühlten Auslaßventile die gerne brechen (bei mir auch noch Original) und die Kettenspanner der verschiedenen Serien....

                  Lg Bernhard



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                  • #10
                    Ja das Auslassventil ...

                    Also wenn Dein Motor noch nie geöffnet wurde ist das Mobil 1 in Spezifikation 10W 60 optimal.
                    - mit Weichmacher
                    - mit etwa 1300 ppm ZDDP
                    - und mit dem höchsten High Temperature High Shear Wert am Markt - 1 mal pro Ausfahrt muss man einen Achttausender bezwingen, wie einst Reinhold Messner, idealerweise im Tunnel.





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                    • #11
                      Danke

                      ich habe beim letzten Ölwechsel Motul 8100X Power 10W-60 gefüllt, HTHS Wert ist ähnlich hoch wie beim Mobil, habe aber keine Info über Weichmacher, oder ZDDP..

                      werde beim nächsten mal auf Mobil wechseln….

                      und ja um den Achttausender bettelt der Motor.....

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                      • #12
                        Hallo Bernhard, das Motul ist ein ausgezeichnetes Öl, aber primär für moderne Motoren. ZDDP ist (soweit ich mich erinnern kann) nicht über 1100, optimal für ältere Motoren ist 1300. Zu hoch darf ZDDP nicht sein, deshalb ist das nachträgliche Einfüllen von ZDDP-Additiven nicht empfehlenswert. Noch schlechter sind natürlich Zaubermittel wie PTFE oder MOS2, sowas hat im Motor nix zu suchen. worst case ist Keramik, da kann man gleich Sand in den Motor schütten. Es wundert mich, dass auch ansonsten seriöse Firmen solche Scharlatanerie anbieten.

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